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de:se-302_stationsmaterial

SE-302: G1.5K

Grosse 1.5 kW Kurzwellen-Funkstation, G1,5K oder B-Station; hergestellt von C.Lorenz AG.

Die Grosse Kurzwellen - Funkstation G1,5K, von den Funkern auch „anderthalb-K“ oder „Grossmutter“ genannt, war die zweite Kurzwellen- Grossstation, welche bei der Schweizer Armee zum Einsatz kam. Die amplitudenmodulierte Kurzwellenstation mit 1,5 kW Ausgangsleistung wurde um 1935 von der C. Lorenz AG in Berlin - Tempelhof entwickelt und 1937 - 1943 von der Standard Telephon & Radio AG in Zürich gebaut.

Stationswagen G1.5K / SE-302

Hinweise zu den verschiedenen Konfigurationen der G1,5K finden sich in der Dokumentation „Das Fernmeldematerial der Schweizer Armee, Band 2, R. Ritter“, im technischen Reglement T 179d „Die grosse 1,5 kW Kurzwellenstation“, der Dokumentation „Funkstationen der Armee“.

Stationen No. 1 - 6: G1,5K

Bedienraum G1,5K: Stationen 1-6

In der Ur-Version der G1,5K kam der Lorenz-Geradeausempfänger EO509/I zum Einsatz.

Komponenten der Hell - Schreiber - Anlage:

SenderseiteHandlocherLochstreifengeber T. Send. 17Rohrsummer T. Sum. 3a
EmpfangsseiteEmpfänger EO 509/I(Empfangs-)Verstärker T. Verst. 16a, bHell-Schreiber T. Empf. 12

alternativ: Empfangsverstärker T. Verst. 16d mit automatischer Spannungsregulierung. HandlocherRohrsummer T. Sum. 3aVerstärker T. Verst 16aSchreiber T. empf.12


1944 zeigte sich, dass die Betriebssicherheit der Telegrammübermittlung mit dem Hell-Verfahren ungenügend war, die ungenügende Empfindlichkeit des Lorenz EO509/I als Betriebsempfänger und die mangelnde Erfahrung der Betriebsmannschaft waren die hauptsächlichen Gründe dafür.
Die Hellschreiber wurden aus dem Stationsmaterial der G1,5K zurückgezogen und stattdessen auf eine massive Vereinfachung der gesamten Abläufe und harten Drill im Handmorsen und Gehörlesen gesetzt - nach einer kurzen Zeit waren die Morsekenntnisse auch der Milizfunker ausreichend, um die Telegrammübermittlung zufriedenstellend schnell sicherzustellen.

In der Dokumentation „Funkstationen der Armee“ werden im Etat für die Stationen 1 - 6 und die B-Stationen der Fliegertruppen jeweils zwei Stück Empfänger E44 aufgeführt.


Die Wagen der G1,5K sind etwas unterschiedlich eingerichtet. So unterscheidet sich auch die Bremsanlage, die Stationen 1 - 14 sind mit einer auf die Hinterräder wirkenden mechanischen Auflaufbremse ausgerüstet.

In den Stationen No. 1 bis 20 kommt auf dem Maschinenwagen ein Viertaktmotor Phänomen Granit 25 mit 22 PS zum Einsatz, der den BBC 15 kVA-Generator antreibt.

Zum Betrieb der Hell-Schreiberanlage sind die Stationen 1-6 mit einem 220 V - Aggregat „Zürcher“ St.Aubin, 3,5 PS Zweitaktmotor, ausgestattet.

Stationen No. 7 - 14: B-Station

Die von der Fliegernachrichtentruppe als Flugzeug - Bodenfunkstation eingesetzte B-Station wurde 1947 zurückgezogen, als der Wechsel des Flugfunks in den VHF-Bereich vollzogen wurde.

Stationen No. 15 - 31: G1,5K

Bedienraum G1,5K: Stationen 15-31

Ab Station No. 15 wurde die G1,5K mit dem Allwellenempfänger Uster E41 ausgestattet.

Komponenten der Hell - Schreiber - Anlage:

SenderseiteHandlocherLochstreifengeber T. Send. 17Rohrsummer T. Sum. 5a
EmpfangsseiteEmpfänger E41(Empfangs-)Tastgerät T. Verst. 18aHell-Schreiber T. Empf. 14

Im Empfangstastgerät wird das Signal vom Empfänger verstärkt und die Spannung automatisch reguliert.

HandlocherRohrsummer T. Sum. 5aVerstärker T. Verst. 18aSchreiber T. empf.14


Im Jahre 1944 wurde entschieden, das Material der Hellschreiber von der G1,5K zurückzuziehen - stattdessen wurde auf eine intensivierte Ausbildung der Milizfunker im Morsen gesetzt. Gemäss der Dokumentation „Funkstationen der Armee“ wurden die Stationen 15 - 28 sowie 32-34 in dieser Zeit mit zwei Empfängern E41 als Betriebsempfänger ausgestattet.


Aufgrund der Unzufriedenheit mit der Übermittlungsgeschwindigkeit der Milizfunker entschied man sich in der Nachkriegszeit zur Einführung der automatisierten Schnelltelegraphie mit der Anlage MFA von Moser-Baer. Allerdings zeigte sich bald, dass sich das Problem verlagerte, das Auslesen der gedruckten Morsezeichen auf den Streifen war ebenso zeitaufwendig, geübte Telegraphisten konnten mit mittelhoher Geschwindigkeit gegebene Zeichen vom Gehör mitlesen. Also lohnte sich die Investition in den Morse-Drill weiterhin.


Eine Wende ergab sich mit der Einführung des Fernschreibers ETK und die Ausrüstung mit den neuen Autophon - Empfängern E-627 im Jahre 1956. Mit dem mit vierzehn Zeichsegmenten arbeitenden Streifenfernschreiber ETK und dem Telekrypto 53 war sogar automatischer verschlüsselter Betrieb möglich.


Aufgrund des Fehlens einer Synchronisation kam es allerdings bei Ausbreitungsstörungen (wie Fading bei ionosphärischen Verbindungen) oftmals zum Ausfall von Zeichen - bereits das Fehlen eines einzelnen Zeichens machte beim Entschlüsseln das Telegramm unlesbar, da die Chiffriergeräte sender- und empfangsseitig schrittgenau im Takt laufen müssen. Auch die Umrüstung auf den E-645 (Siemens E311) mit seiner verbesserten Stabilität im Einseitenbandempfang vermochte keinen Durchbruch zu bringen.


Mit der Einführung der portablen Einseitenband - Funkstation SE-222 mit dem KFF 58 mit seiner automatischen Synchronisierung wurde plötzlich mit technisch viel geringerem Aufwand eine einwandfreie Kommunikation auch über grössere Strecken möglich. Für die schweren Verbindungen war mit der Einführung der Station SE-415, mit der mit dem Streifenfernschreiber KFF 58 oder dem Blattfernschreiber Stg-100 und dem TC61 gearbeitet werden konnte, der Zeitpunkt der Ablösung der Grosmueter endgültig gekommen.


Die Wagen der Stationen 15 - 31 verfügen über eine kombinierte Luftdruck- / Oeldruckbremse.

In den Stationen ab No. 21 kommt auf dem Maschinenwagen ein Viertaktmotor Phänomen Granit 27 mit 22,8 PS zum Einsatz, der den BBC 15 kVA-Generator antreibt.

Zum Betrieb der Hell-Schreiberanlage sind die Stationen ab No. 15 mit einem 220 V - Aggregat „DKW“ Kl.M.C.100, 1,8 PS Zweitaktmotor, ausgestattet.

Stationen No. 32 - 34: G1,5K Festungsstationen

Technische Unterlagen

Weitere Informationen

de/se-302_stationsmaterial.txt · Zuletzt geändert: 2022/12/01 11:26 von mboesch