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Flieger Beobachtungs- und Meldedienst (FlMBD)

Flieger - Beobachtungs- und MeldedienstNachdem bereits 1928/34 von der Sektion für Flugwesen Versuche mit einem Fliegerbeobachtungsdienst gemacht worden waren, wurde 1934 der Flieger- Beobachtungs- und Meldedienst (FlBMD) geschaffen. Zunächst klappten die Übermittlung der Beobachtungsresultate über das zivile Telephonnetz nur unzuverlässig, so dass mit dem Netz C feste Kupferleitungen zwischen den 163 Fliegerbeobachtungsposten und den 36 Auswertezentralen geschaltet wurden.

Mit dem Aufgebot zum Aktivdienst am 1.9.1939 wurde der FlBMD der Leitung der Flieger- & Flabtruppen unterstellt. Die Meldungen der nun 229 Fliegerbeobachtungsposten und 37 Auswertezentralen wurden an das Kommando der Flieger- & Flabtruppen in der Effingerstrasse 35 in Bern per Telephonleitungen übermittelt und so eine „Nationale Luftlage“ erstellt. Auch nach der Verlegung der Einsatzzentrale in den Rugenstollen bei Interlaken wurden die Meldungen telephonisch entgegengenommen, aus Handzetteln verarbeitet und die Aufträge an die Jagdflieger erteilt, an eine Fliegerführung per Funk war aufgrund der Unzuverlässigkeit und ungenügende Reichweite der damaligen Flugfunkgeräte nicht zu denken.

Netz des Flieger- Beobachtungs- & Meldedienstes 1938

1943 besuchte eine Schweizer Delegation das Reichsluftfahrtministerium in Berlin und der Kauf zweier „Würzburg“-Funkmessgeräte und Instruktion der entsprechenden Bedienmannschaften konnte ausgehandelt werden - offenbar hatte die deutsche Führung Interesse daran, dass die Schweizer Luftwaffe Neutralitätsverletzungen durch einfliegende Verbände der Alliierten feststellen und darauf regieren konnte.

An den Einsatz von Radar-Anlagen zur Erkennung von eigenen und fremden Flugzeugen war noch nicht zu denken, obwohl diese Technik bei den Allierten bereits in den Weltkriegsjahren im Einsatz war. Aufgrund amerikanischer Verkaufsrestriktionen konnte die Schweiz Ende der Fünfzigerjahre das noch wenig leistungsfähige Radarsystem ER 220 bei der französischen SFR erwerben. Zunächst wurden vier Höhenstandorte, der Versuchsstandort Bütschelegg bei Riggisberg BE, die Ausbildungsanlage Dürrbach bei Dübendorf ausgerütet und dazu fünf mobile Anlagen erworben. Mit einem Personalbedarf von 100 Personen pro Schicht war der Betrieb extrem personalaufwendig. Da mit der Anlage gleichzeitig lediglich 10 - 20 Flugwege verfolgt werden konnten und eigene und fremde Flugzeuge nicht unterschieden werden konnten, war der Einsatz von Radar zur Jägerleitung noch nicht realistisch. 1966 konnte mit dem Erwerb amerikanischer FPS 20 Anlagen die Fliegererkennung mit Radar verbessert werden.

Ab 1962 begann die Planung eines halbautomatischen Luftüberwachungs- und Führungssystems zur Flieger- und Flabführung „FLORIDA“. Ab 1969 wurde nicht nur ein flächendeckendes UHF-Flugfunksystem sondern auch ein digital arbeitendes Fliegerführungssystem mit der Erfassung von bis zu 400 Flugzeugen inkl. Freund / Feind / Unbekannt - Kennung eingeführt. 1972 wurde die FLORIDA-Anlage in einem Manöver der Flieger- und Flabtruppen erprobt, auch wurde die Möglichkeit der Steuerung der Fliegerabwehr-Lenkwaffen FL 64 „Bloodhound“ integriert. Das FLORIDA - System stand 1970 bis 2003 im Einsatz.

2004 wurde als Nachfolgesystem das FLORAKO-System eingeführt, zusätzlich zu den Primärradardaten der Stationen auf den vier Höhenstandorten können Daten des bodennahen TAFLIR-Radarsystems und Daten der zivilen Radaranlagen der zivilen Flugsicherung Skyguide eingespiesen werden und vervollständigen die Übersicht über die Luftlage.

Unterlagen

de/flbmd.txt · Zuletzt geändert: 2024/05/04 19:46 von mb